200 Jahre Ahlener Geschichte in Bildern

„Es grüßt euch Ahlen, die ehrsame Stadt, die stets gastliche Bürger hat. Pumpernickel, Bier und Schinken sollen hier euch freundlich winken.“ Mit dieser Postkarte aus den Anfang der 1900er Jahren begrüßten Peter Schmies und Monika Barwinska-Moll am Mittwochabend fast 200 Besucherinnen und Besucher in der Kulturkirche  St. Bartholomäus. Der Vorsitzende der Seniorenunion und die Programmbereichsleiterin der Volkshochschule hatten den Historiker Dr. Knut Langewand für den Vortrag „200 Jahre Ahlener Geschichte in Bildern“ gewinnen können. Der Leiter des Kreis- und Stadtarchivs nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei erwies er sich als profunder Kenner und begeisterter Forscher.  Mit großer Sachkenntnis, Empathie und Humor ließ er die Stadtgeschichte lebendig werden. Anhand historischer Fotografien, im Altarraum auf großer Leinwand projiziert, machte er die wechselhafte Entwicklung der Wersestadt deutlich. Zwischendurch lockerte er die Veranstaltung mit Quizfragen auf, bei denen es kleine Preise zu gewinnen gab.

„ Ahlen hat sich wie kaum eine andere Stadt im Kreis Warendorf gewandelt“, sagte er. Von dem kleinen Ackerbürgerstädtchen um 1800 hat sich die Kommune zu einer modernen Stadt entwickelt“, machte der Referent deutlich. Als besonderes Merkmal stellte Dr. Langewand die Zuwanderung von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und zu verschiedenen Zeiten heraus, die Ahlen mitgestaltet und zur heutigen Identität der Stadt beitragen. Mit dem Bau der Zeche fanden Gastarbeiter aus Italien , Österreich und der Türkei in Ahlen eine neue Heimat. Die Wirtschaft florierte. Viele Betriebe wie Gehringhoff sind auch heute noch erfolgreich. Unvergessen bleiben die großen Tanztempel wie der Theresienhof , Schützenhof und Kettelerhaus und die rege Kneipenszene in der Stadt. Und wer weiß heute noch, dass es damals fünf Stadttore gegeben hat?

Ein großer Schub auch wirtschaftlich begann mit dem Bau der Eisenbahn 1847, die Zahl der Einwohner stieg kontinuierlich, Straßen wurden ausgebbaut. „Die Stadt sah damals aus wie ein großes Dorf“, erläuterte Dr. Langewand. Viele Fachwerkhäuser bestimmten das Stadtbild und Poahlbürger wie die Familien Holtermann und Beumer prägten die Gesellschaft. Er erinnerte aber auch an das dunkle Kapitel, die Machtergreifung Hitlers und den Zweiten Weltkrieg mit der Judenverfolgung. Der Referent warb dafür, historische Dokumente zur Geschichte der Stadt dem  Kreisarchiv zur Verfügung zu stellen. „Ich komme gerne vorbei und begutachte sie“, sagte er.

Auch der Sport habe immer eine große Rolle gespielt, entsprechende Dokumente befinden sich heute im Sportarchiv an der Warendorfer Straße. Ein dickes Lob zollte er Jürgen Rheker, der viele Dokumente vor dem Vernichten gerettet hatte.

 „ Es bleibt spannend“, beschloss er seinen interessanten Vortrag mit einem Blick auf das neue Rathaus. Monika Barwinska-Moll fand die richtigen Schlussworte: „Wenn wir die Vergangenheit vergessen, können wir die Zukunft nicht gestalten.“ Das Publikum war begeistert und dankte mit lang anhaltendem  Beifall.

Bilder & Text: Angelika Knöpker